“Wenn die Umwelt krank macht”

“Wenn die Umwelt krank macht”

In Gesundheitsfragen spielen nicht nur die innerkörperlichen Prozesse eine Rolle, sondern auch die Beschaffenheit unserer Umwelt. Unser System wird ständig mit Reizen aus unserer Umgebung konfrontiert und allzu oft sind diese nicht positiv unterstützend, sondern negativ belastend. Durch die Industrialisierung hat sich unsere Umwelt stark verändert, Natürlichkeit wird durch Künstlichkeit ersetzt und auch die zahlreichen Abfallstoffe von Produktionsprozessen müssen irgendwo ihren Platz finden.

Durch verschiedene Mechanismen, wie z.B. über Nahrung, Atmung oder Hautkontakt, finden nicht nur die nützlichen, sondern auch die schadhaften Substanzen unserer Umwelt den Weg in unseren Organismus. Da die Evolution unseres menschlichen Körpers aber langsamer verläuft als die Veränderungen im Außen, ist unser System nicht an die Umstände angepasst und ordnet die Substanzen als „Fremdstoffe“ ein. Die Fremdstoffe entwickeln einen toxischen Charakter und stören die wesentlichen physiologischen Abläufe, die entscheidend für unsere Gesundheit sind. Besonders problematisch wird es, wenn sich eine Vielfalt von Giftstoffe im Körper sammelt. Während ein Stoff allein vielleicht keine Symptome erzeugen würde, ergeben sie gemeinsam einen synergetisch toxischen Effekt. Somit können Grenzwerte für einzelne Substanzen als hinfällig betrachtet werden.

Arten der Umweltbelastung:

Bei den toxischen Umweltbelastungen können verschiedene Gruppen unterschieden werden. Im Folgenden sind die wesentlichen aufgeführt:

Schwermetalle  z.B. Blei, Kupfer, Cadmium, Quecksilber, Zink(Aluminium, Arsen) Quelle: Zahnmaterialien (z.B. Amalgam), Nahrungsmittel, Abgase, Impfungen usw.
Biozide Pestizide(Pflanzenschutzmittel):

  • Herbizide gegen Planzen/Unkraut (Glyphosat)
  • Insektizide gegen Insekten (DDT)
  • Fungizide gegen Pilze
Quelle: konventionell erzeugte Lebensmittel, Luft, Trinkwasser
Nitrate Quelle: Stickstoffdünger
Verbrennungsabgase z.B. Dioxine, Furane, Benzol, Feinstaub Quelle: Industrie, KFZ-Abgase usw.
Schimmelpilze z.B. Aspergillus Quelle: verdorbene Nahrung, feuchte Wohnräume
Industriell hergestellte Chemikalien
  • Weichmacher (z.B. Bisphenol A, PCB, Phtalate)
  • Lösungsmittel (z.B. Aceton, Benzol)
  • Zusatzstoffe: Konservierungsmittel, Geschmacksverstärker (z.B. Glutamat), Süßstoffe (z.B. Aspartam) usw.

 

Quelle: Plastikflaschen, Fußböden usw.

Quelle: Farben/Lacke, Reinigungsmittel, Kosmetika usw.

Quelle: Lebensmittel, Kosmetika usw. 

Folgen:

Hier soll nun insbesondere die Wirkung von Schwermetallen auf den Körper dargestellt werden. Schwermetalle bilden Komplexe mit den molekularen Zellbestandteilen Schwefel, Sauerstoff und Stickstoff. Darüber verändern sie Proteinstrukturen und inaktivieren Enzyme. Enzyme spielen eine wichtige Rolle in unserem Körper, sie bilden die Motoren unseres Stoffwechsels. Liegt eine Störung der Enzymaktivität vor, kann das vielfältige Folgen haben. Unter anderem wirkt es sich auf unsere Energieproduktion in den Mitochondrien aus. Die Hemmung der Atmungskette verursacht einen chronischen Energiemangel (→ „Energieräuber – Mitochondriale Medizin“) und darüber hinaus kommt es zur Bildung von oxidativem und nitrosativem Stress (→ „Stress in den Zellen“). Der Stress in den Zellen hat wiederum negative Auswirkungen auf den gesamten Stoffwechsel, sodass man sich schnell in einem Teufelskreis befindet. Eine Rolle spielt hier auch die Auswirkung der Schwermetalle auf die Calciumhomöostase. Blei und Quecksilber zum Beispiel können über Calciumkanäle ins Zellinnere gelangen und diese blockieren. Ein verändertes Calciumgleichgewicht sorgt für einen Potenzialabfall an der Mitochondrienmembran, welches essentiell für dessen Funktion ist. Darüber hinaus schädigen die Schwermetalle auch die DNA sowie die ungesättigten Fettsäuren der Zellmembranen. Zudem haben sie einen Einfluss auf die Regulation zellulärer Signalwege. Toxische Metalle aktivieren zum Beispiel den Transkriptionsfaktor NF-kB, welcher Entzündungsprozesse fördert.

Symptome:

Je nach Schwermetall variieren die Ansatzpunkte im Körper, sodass abhängig davon, welche Belastung vorliegt, auch die Beschwerdebilder variieren können. Häufig ist es allerdings der Fall, dass Mischvergiftungen vorliegen, da sich die Gifte im Körper akkumulieren.

Blei Nervenschäden, Blutarmut, eingeschränkte Fruchtbarkeit, Krebs, Herzinfarkt, SchlaganfallBei Kindern: verminderter IQ, Ruhelosigkeit, hartnäckige Obstipation
Cadmium

Eines der gefährlichsten Schwermetalle!

Krebserkrankungen, Anämie, Osteoporose, Nierenschäden, Bluthochdruck, Intelligenzverminderung, chronische Schmerzen
Kupfer

In geringen Mengen lebenswichtiges Spurenelement für Immunsystem, Blutbildung, Antioxidantien und Bindegewebe, hochdosiert aber giftig!

Tumore, rheumatische Erkrankungen, Leber- und Nierenerkrankungen, Bluthochdruck, Schizophrenie, Stottern, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Autismus, Hyperaktivität, Depression, Schlaflosigkeit, Prämenstruelles Syndrom, frühzeitiges Altern, Alzheimer-Krankheit
Quecksilber

Eines der gefährlichsten Schwermetalle!

Nervenschäden, Krebs, Hormonstörungen, chronische Infekte, Depressionen, Alzheimer-Krankheit, Parkinson-Syndrom, Autoimmunerkrankungen, Rheuma, Multiple Sklerose, Autismus, Amytrophe Lateralsklerose, Hautallergien, Nierenschäden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Unfruchtbarkeit
Zink

In geringen Mengen lebensnotwendiges Spurenelement, hochdosiert giftig!

Oxidative Belastung, Blutarmut

Diagnostik:

Für eine schnelle Diagnose wende ich in meiner Praxis den MK Schwermetall-TestÒ an. Es handelt sich hierbei um einen halbquantitativen „Screening-Test“, um Blei, Cadmium, Quecksilber, Kupfer oder Zink in Körperflüssigkeiten wie Urin oder Speichel mittels Farbvergleich nachzuweisen. Aus dem Testergebnis kann dann gegebenenfalls die Notwendigkeit einer Ausleitungstherapie abgeleitet werden. Zur weitergehenden Labordiagnostik stehen Schwermetall- und Umwelt-Basis-Profile zur Verfügung.

Wie funktioniert Entgiftung?

Zur Entsorgung nutzloser oder giftiger Stoffe besitzt der Körper eine Reihe von Enzymsystemen. Eine große Menge dieser Enzyme findet man in den Hauptentgiftungsorganen Leber und Niere. Die Entgiftung erfolgt allgemein in zwei Phasen:

Phase 1: Funktionalisierungsreaktionen: Einfügung funktioneller Gruppen in das Molekül mithilfe von Enzymen

→ Entstehung von reaktiven und zum Teil schädlichen Stoffwechselprodukten

Phase 2: Konjugationsreaktionen: Kopplung der funktionellen Gruppen an sehr polare, negativ geladene endogene Moleküle, um den Stoff wasserlöslich zu machen

→ Schädliche Zwischenprodukte werden wieder unwirksam gemacht

Entgiftungsphasen

Ein zentraler Weg der Entgiftung läuft über das Glutathion-System ab. Glutathion (GSH) wird aus den drei Aminosäuren Glutamin, Cystein und Glycin gebildet. Aufgrund seiner Thiolgruppe dient es als gutes Reduktionsmittel und kann die Zellen vor oxidativen Prozessen schützen. Über die Thiolgruppen werden dabei Elektronen in Form von Wasserstoff abgegeben. Dabei „opfert“ sich das Glutathion, indem es selbst oxidiert wird. Durch das Enzym Gluathion-Peroxidase werden nun zwei solcher Moleküle zu Glutathion-Disulfid (GSSG) verbunden. Um das nun unwirksame Glutathion wieder wirksam zu machen, wird es von der Glutathion-Reduktase reduziert.

Glutathion selbst eignet sich auch als Chelatbildner für die Schwermetallentgiftung.

Entgiftungsstörungen: „Warum reagiert nicht jeder gleich?“

Jeder Mensch wird im Alltag mit Giftstoffe belastet, aber warum wird nicht jeder krank? Bei der Antwort auf diese Frage spielen u.a. folgende Aspekte eine Rolle:

  • Entgiftungsenzyme der Phase 1 und 2 reagieren empfindlich auf unzureichende Versorgung mit bioaktiven Substanzen (z.B. Selen, Zink, Kupfer, Magnesium, Vitamin B2, B6 und C). Durch ein unausgeglichenes Verhältnis zwischen Phase 1 und 2, kann es z.B. zu einer Anstauung von giftigen Zwischenprodukten kommen.
  • Durch genetische Polymorphismen können wichtige Entgiftungsenzyme fehlen oder nur eingeschränkt arbeiten.

Therapie:

Bei einer erfolgreichen Entgiftungstherapie kommen mehrere Aspekte zum Tragen.

Zunächst müssen die körpereigenen Mineralstoffdepots, die bei Intoxikationen meistens aufgebraucht sind, wieder aufgefüllt werden. Dies erfolgt über eine orthomolekulare Nährstofftherapie, entweder mit Nahrungsergänzungsmitteln oder über Infusionen. Darüber hinaus können Folgebelastungen wie Nitrosativer und Oxidativer Stress u.a. durch die Gabe von Vitaminen und Aminosäuren eingedämmt werden (siehe hierzu → „Stress in den Zellen“).

Hinzu kommt die Aktivierung der körpereigenen Entgiftungsleistung. Dabei spielt die Steigerung der Glutathionsynthese eine wichtige Rolle. Durch Substitution von Selen, Vitamin B2, B6, C, L-Carnitin, Glutamin, Glycin, Cystein oder Alpha-Liponsäure kann diese angeregt werden.

Besonders die Alpha-Liponsäure eignet sich hier sehr gut, um oxidiertes Glutathion wieder zu reaktivieren. Untersuchungen zeigten, dass die Gabe von Alpha-Liponsäure den intrazellulären Glutathiongehalt um 30% steigern kann.

Bei der Alpha-Liponsäure handelt es sich um Fettsäure, die aufgrund ihrer Schwefelgruppen eine antioxidative und entgiftende Eigenschaft besitzt. Dabei kann sie sowohl wasserhaltiges als auch fetthaltiges Gewebe entgiften und erreicht somit auch die Nervenzellen. Darüber hinaus recycelt sie auch die Vitamin C und E sowie das Coenzym Q10.

Für eine erfolgreiche Entgiftung müssen die Giftstoffe aus dem Gewebe mobilisiert werden, damit sie überhaupt in den Entgiftungskreislauf kommen. Dazu verwendet man sogenannte Chelatbildner, die mit dem Giftstoff einen Chelat-Komplex bilden. Da es sich bei der Alpha-Liponsäure im Vergleich zu anderen Chelatbildnern (wie z.B. DMPS) um eine Substanz handelt, die auch natürlicher Bestandteil des Körpers ist und weitere positive Auswirkungen auf diesen hat (z.B. als Coenzym in der Glykolyse), verwende ich bevorzugt Alpha-Liponsäure-Infusionen für die Entgiftung und Regeneration des Körpers. Nur bei schwerwiegenden Intoxikationen greife ich auf den synthetischen Chelatbildner EDTA (Ethylendiamintetraacetat) im Sinne der klassischen Chelattherapie zurück.

Als ergänzende Therapien können das Schröpfen, Akupunktur oder die Neuraltherapie zum Einsatz kommen.

Weitere Informationen zu den Therapien:

Literatur:

Ganz Immun: Fachinformation 0067: „Biochemie der Entgiftung“.
MK naturpharma: Fachinformation MK Schwermetalltest® „Chronische Schwermetallbelastung“.
Jennrich, P. (2009): Die medizinische Bedeutung chronischer Metallbelastungen – ein Überblick. In: Umwelt-Medizin-Gesellschaft, 23. Jg. (2009), H.3, S. 256-260.
Jennrich, P. (2010): Schwermetalle als Auslöser sekundärer Mitochondriopathien. In: Umwelt-Medizin-Gesellschaft, 23. Jg. (2010), H.1, S. 44-50.
Mutter, J. (2009): Gesund statt chronisch krank, 3. Aufl. 2014, Fit fürs Leben Verlag in der NaturaViva Verlags GmbH, Weil der Stadt.

Orandum est ut sit mens sana in corpore sano

(Wir müssen für einen gesunden Geist in einem gesunden Körper beten)

- Juvenal, Satura X / 356 -