Nebenniereninsuffizienz

Naturheilpraxis Dr. Dirk Kuhlmann - Nebennieren-Insuffizienz

Nebenniereninsuffizienz / Nebennierenschwäche

“Stress gehört zum Leben, und unser Körper ist darauf eingerichtet, mit Stress umzugehen. Unsere Nebennieren produzieren Botenstoffe, die uns kurzfristig zu schnellem Reagieren – Kämpfen und Fliehen – befähigen.

Alle Organe und der Kreislauf werden mit ihnen durch Sress und  Notsituationen gesteuert. Dass uns Stress aber chronisch bedrängt, dafür ist unser Körper nicht gebaut.

Deshalb kommt es heute unter Bedingungen von Dauerstress häufig vor, dass die Nebennieren überfordert sind und die vom Stress geforderten Hormone nicht mehr produzieren können.

Millionen Menschen leiden unter diesen Problem.
Typische Symptome sind ständige, nicht begründbare Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit.

Meist wird die zugrunde liegende Erschöpfung der Nebenniere nicht erkannt.”
(Dr. med. James L. Wilson, 2011, Grundlos erschöpft? – Adrenal Fatigue)

Nebennieren:

Als sogenannte „Stressdrüsen“ rücken die kleinen Hormonproduzenten in der Diskussion um Burnout und chronische Erschöpfung immer mehr in den Fokus.

Aufbau:

Wie der Name schon andeutet, befinden sich die beiden Drüsen jeweils neben (oberhalb) der Niere. Sie setzen sich zusammen aus der außen gelegenen Nebennierenrinde, die etwa 80-90 % der Drüse ausmacht, und dem inneren Nebennierenmark. Diese beiden stark durchbluteten Funktionseinheiten sind eingehüllt in eine Kapsel aus Bindegewebe.

Funktion:

Die Nebennierenrinde gliedert sich in drei verschiedene Schichten und ist hauptsächlich für die Produktion von Aldosteron (reguliert den Natrium-/Kaliumhaushalt), Cortisol (reguliert Stoffwechsel und Stressabwehr) und Dehydroepiandrosteron (DHEA) (Vorstufe für Geschlechtshormone) zuständig. Es handelt sich hierbei um lebenswichtige Hormone! Ohne diese käme es in wenigen Tagen zum Tod durch Austrocknung und einer Störung des Elektrolytgleichgewichts!

Die wesentliche Aufgabe des Nebennierenmarks ist die Bildung der Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin. Diese Hormone sind nicht lebensnotwendig, spielen aber eine wesentliche Rolle bei Stressreaktionen.

Bedeutung der Nebennieren in der Stressreaktion:

In einer Stressreaktion spielt der Hypothalamus eine zentrale Rolle. Auf einen Stressimpuls hin aktiviert er den Sympathikus, der unter anderem das Nebennierenmark dazu veranlasst die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin auszuschütten. Adrenalin bewirkt über Adrenorezeptoren einen Anstieg des zentralen Blutvolumens, eine Erweiterung der wichtigsten Gefäße und die Erhöhung der Herzfrequenz sowie seiner Kontraktionskraft. Durch verschiedene Stoffwechselvorgänge wird Glucose und mittels erhöhter Atemfrequenz Sauerstoff bereit gestellt. Noradrenalin wirkt ebenfalls stimulierend auf das Herz-Kreislauf-System. Durch diese Vorgänge wird der Körper in eine erhöhte Alarmbereitschaft versetzt und auf eine mögliche “Kampf- und Flucht-Situation” vorbereitet.

Neben dem Sympathikus wird auch die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHNA-Achse) aktiviert. Dabei schüttet der Hypothalamus das Hormon CRH (Cortitropin-Releasing-Hormon) aus, welches in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) die Produktion von ACTH (adenokortikotrope Hormone) veranlasst. Diese regen in der Nebennierenrinde schließlich die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol an. Cortisol ist ein Steroidhormon und zählt zur Gruppe der Glucocorticoide. Es bindet an den nukleären Glucokorticoidrezeptor, der bestimmte Genexpressionen hervorruft und dadurch Enzyme des katabolen Stoffwechsels (z.B. des Protein- und Fettabbaus) in Gang setzt, um Ausgangstoffe für für die Glucoseneubildung (Gluconeogenese) zu erhalten und damit dem Körper Energie bereit zu stellen. Um den Blutzuckerspiegel zu erhöhen wird außerdem der Glykogenabbau in der Leber angeregt und die Glucoseaufnahme in der Peripherie vermindert. Der Körper ist nun in der Lage die Stresssituation zu bewältigen. Im Vergleich zum Adrenalin erfolgt die Cortisolausschüttung etwas langsamer und wirkt langfristiger. Damit die Cortisolmenge nicht stetig weiter steigt, misst der Hypothalamus regelmäßig den Cortisolspiegel und gibt gegebenenfalls die Signale zur Drosselung der Produktion.

Nebenniereninsuffizienz:

Unser Körper hat ein hervorragendes Programm, um auf Stress zu reagieren. Dieses war besonders zu früheren Zeiten überlebensnotwendig, um in der Natur zu bestehen. Im Laufe der Evolution haben sich die Stressfaktoren allerdings sehr verändert. An die Stelle wilder Tiere treten giftbelastete Nahrungsmittel, strahlungsintensive Umgebungen, emotionale Konflikte und traumatische Erfahrungen, Überforderungen am Arbeitsplatz, Reizüberflutungen durch moderne Medien, chronische Infektionen und und und…

Der Körper ist nicht in der Lage zwischen den verschiedenen Stressoren zu unterscheiden und reagiert organisch immer mit demselben Programm, auch wenn eine Kampf- und Fluchtbereitschaft gar nicht benötigt wird. Die große Anzahl an kontinuierlichen Stressoren kann schnell zu einem chronischen Stresszustand (Cortisol-Überproduktion) führen und in der Regel fehlt das körperliche Ventil (z.B. ausreichende Bewegung und Entspannungsphasen), um die Belastung abzubauen. Wenn der Stress irgendwann größer wird als die Fähigkeit des Körpers diesen zu kompensieren, kann es zu einer allmählichen Erschöpfung der Nebennierenfunktion (Cortisol-Unterproduktion) kommen und somit zu einer Nebennierenschwäche. Es handelt sich hierbei um eine Funktionsstörung, die durch eine gezielte Therapie wieder rückgängig gemacht werden kann.

Symptome:

  • ständige Müdigkeit trotz ausreichenden Schlafs (Schwierigkeiten morgens aufzustehen)
  • Lethargie (Energiemangel, besonders am Morgen)
  • Tägliche Aufgabenbewältigung wird zu größerer Anstrengung, insgesamt verminderte Leistungsfähigkeit
  • Höhere Stressanfälligkeit und längere Erholungszeiten
  • Besserung der Beschwerden in Zeiten der Erholung
  • Infektanfälligkeit
  • Schmerzen im oberen Rücken- und Nackenbereich
  • Schwindelgefühl
  • Neigung zum Zittern
  • Konzentrationsschwierigkeiten und schlechtes Erinnerungsvermögen
  • Neigung zur Gewichtszunahme
  • Depressive Phasen
  • Weniger Vergnügen und Glücksempfindungen
  • Vermehrte Menstruationsbeschwerden
  • Nachlassende Libido
  • Verlangen nach salziger, fett- und eiweißreicher Nahrung
  • Verdauungsstörungen

Diagnostik:

Um eine Störung in der Nebennierenfunktion festzustellen, sollte das Stressniveau im Körper erhoben werden. Hierbei rückt das Cortisol in den Fokus der Untersuchung. Die Cortisolausschüttung weist einen bestimmten natürlichen Tagesrhythmus auf, bei dem sich morgens ein Maximum und um Mitternacht ein Minimum zeigt. Für diagnostische Zwecke ist daher die Ermittelung eines Cortisol-Tagesprofils sinnvoller als eine einmalige Cortisolbestimmung.

Selbst-Tests:

1. Iris-Kontraktion:

Verdunkeln Sie den Raum und setzen sich vor einen Spiegel. Nehmen Sie eine Taschenlampe und halten sie seitlich zum Kopf, sodass Sie direkt über (nicht in!) eines Ihrer Augen leuchten. Mit dem anderen Auge sehen Sie in den Spiegel und beobachten die belichtete Pupille. Normalerweise bleibt diese zusammengezogen, um den starken Lichteinfall zu vermindern. Wenn Sie unter eine Nebennierenschwäche leiden, kann die Kontraktion nicht aufrecht erhalten werden und die Pupille erweitert sich innerhalb von 2 Minuten wieder für etwa 30-45 Sekunden. Um die Entwicklung der Nebenniereninsuffizienz zu beobachten, sollte die Dauer der Erweiterung schriftlich notiert und der Test monatlich wiederholt werden. Bei einer Besserung der Nebennierentätigkeit wird die Pupillenkontraktion stetig länger beibehalten.

2. Blutdruck-Test:

Legen Sie sich 10 Minuten lang ruhig hin. Messen Sie währenddessen Ihren Blutdruck im Liegen mit einem Blutdruckmessgerät. Stehen Sie dann auf und messen unmittelbar danach erneut im Stehen. Gewöhnlich erhöht sich dadurch der Blutdruck um 10-20 Einheiten. Fällt er jedoch nach dem Aufstehen, sind Sie entweder dehydriert oder leiden an einer Nebennierenschwäche. Um hier zu differenzieren, wiederholen Sie den Test an einem Tag, an dem Sie viel Wasser getrunken haben.

3. Hauttest:

Zeichen Sie mit sanftem Druck mit dem Fingernagel oder einem Kugelschreiber (mit eingefahrener Mine) eine ca. 15 cm lange Linie auf Ihre Bauchhaut. Schnell erscheint dort eine sichtbare Linie. Im normalen Zustand ist diese zuerst weiß und rötet sich dann sofort. Bei einer Schwäche der Nebenniere bleibt diese Linie ca. 10 Minuten lang weiß und gewinnt zusätzlich an Dicke. Mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 40% kann dieser Test ein Hinweis auf eine Nebenniereninsuffizienz sein.

Orandum est ut sit mens sana in corpore sano

(Wir müssen für einen gesunden Geist in einem gesunden Körper beten)

- Juvenal, Satura X / 356 -